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EUR/USD (Wochenchart): Risiko - "bearishe" Flagge bzw. SKS-Formation - Chartanalyse


11.01.2019 - 09:15:00 Uhr
HSBC Trinkaus & Burkhardt

Düsseldorf (www.aktiencheck.de) - Auf der Unterseite gilt es beim EUR/USD (ISIN EU0009652759/ WKN 965275) indes, die 200-Wochen-Linie (akt. bei 1,1311 USD) unbedingt zu verteidigen, so die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Zusammen mit den Tiefs von 2018 bei 1,1297/1,1213 USD entstehe auf diesem Niveau eine wichtige Haltezone. Ein Bruch dieser Bastion hätte mehrere negative Implikationen: Zum einen müsste die EUR-Erholung seit Januar 2017 damit als Bärenflagge interpretiert werden, zum anderen dürfte ein nachhaltiges Abgleiten unter den angeführten langfristigen Durchschnitt als Katalysator für die bereits angerissene Schulter-Kopf-Schulter-Formation dienen. Unter dem Strich markiere die Zone 1,13/1,12 USD deshalb einen wichtigen unterjährigen Taktgeber. Das Abschlagspotenzial aus der SKS-Umkehr lasse sich auf rund 10 US-Cents taxieren.

Auch das angeführte Konsolidierungsmuster lasse ein Wiedersehen mit den Tiefs bei 1,0456 USD bzw. 1,0339 USD befürchten. Auf dem Weg in diese Region sollten Anleger den Kumulationspunkt bei rund 1,08 USD beachten. Hier falle eine Pivot-Unterstützung - abgeleitet aus dem o. g. Jahres-Pivotpunkt - bei 1,0898 USD mit verschiedenen Hochs bei gut 1,08 USD sowie dem Aufwärtsgap von Ende April 2017 bei 1,0819/1,0777 USD zusammen. Auf der Währungsseite seien solche Kurslücken äußerst selten.

EUR/USD (Daily): Außer Spesen nichts gewesen

Auch in Bezug auf das Währungspaar EUR/USD möchten die Analysten saisonale Aspekte auf den Prüfstand stellen. Da sie den typischen Verlauf in Vorwahljahren der USA beleuchten - das Saisonmuster also angelehnt an den US-Präsidentschaftszyklus untersuchen würden - würden sie die durchschnittliche Entwicklung aus Sicht des Greenbacks darstellen. Gemessen am typischen Verlauf aller Vorwahljahre seit 1971 stehe Anlegern bis in den Mai eine volatile Seitwärtsphase ins Haus. Von Mai bis August besitze der USD dann saisonalen Rückenwind.

Auffällig sei in dieser Periode die scharfe Juli-Korrektur, die für eine Unterbrechung der eigentlich guten USD-Phase sorge. Ende August bestehe die Gefahr eines zyklischen USD-Hochs. Nicht nur in Vorwahljahren, sondern ganz grundsätzlich sehe sich die US-Valuta in der zweiten Jahreshälfte eher mit saisonalem Gegenwind konfrontiert. Ende August trete der US-Dollar in einen bis zum Jahresultimo anhaltenden saisonal herausfordernden Zeitraum ein. Unter dem Strich gelte damit für das gesamte Vorwahljahr das Motto vom Jahresbeginn "außer Spesen nichts gewesen". Das Ablaufmuster "volatil mit Schwankungen, aber insgesamt wenig Veränderung" begünstige 2019 somit einen Tradingmarkt ohne klare Trendrichtung.

EUR/USD (Weekly): Commercials: EUR-Netto-Longposition

Während der Faktor "Saisonalität" ein leichtes Gegengewicht zu dem charttechnischen Belastungsfaktor in Form des intakten EUR-Abwärtstrends darstelle, sende der aktuelle Commitment of Traders-Report zum Teil durchaus widersprüchliche Signale. So würden die von der US-Aufsichtsbehörde CFTC wöchentlich publizierten Daten seit Oktober 2018 für die "wissenden" Commercials wieder eine EUR-Netto-Longposition ausweisen. Damit hätten die Engagements der großen "Hedger", denen im Vergleich zu den Spekulanten ein "glücklicheres Händchen" unterstellt werde, um 180 Grad gegenüber dem Jahresauftakt 2018 gedreht. Letztlich stehe die beschriebene Positionierung deutlicheren Kursverlusten der europäischen Einheitswährung im Vergleich zum US-Dollar entgegen.

Wenn Investoren allerdings den zugrundeliegenden EUR-Baissetrend berücksichtigen würden, dann falle auf, dass im Verlauf dieses Trends EUR-Erholungen erst ab signifikant höheren Netto-Positionen eingesetzt hätten. So seien 2012 und 2015 jeweils mehr als 250.000 Kontrakte Netto-Longpositionierung nötig gewesen, um eine EUR-Erholung einzuleiten. Im Jahr 2010 seien es zumindest 100.000 Kontrakte gewesen. Vor einem zyklischen EUR-Tief sei deshalb möglicherweise noch eine Ausdehnung der Netto-Longposition notwendig.

EUR/USD (Quarterly): Trendwendegefahr hoch Drei

Zum Abschluss des Themenkomplexes der CoT-Daten sei zudem darauf verwiesen, dass die Commercials im USD-Index spiegelbildlich über eine Netto-Shortpositionierung verfügen würden. In einem letzten Schritt möchten die Analysten noch konkreter werden und die preisliche wie auch die zeitliche Dimension eines möglichen Ablaufplans 2019 mit Leben füllen. Während Fibonacci-Retracements zur Ermittlung möglicher Unterstützungsniveaus mittlerweile fester Bestandteil des Arsenals des Technischen Analysten geworden seien, würden Fibonacci-Zeitprojektionen eher ein "Mauerblümchen Dasein" fristen.

Die Analysten würden solchen Projektionen der zeitlichen Relationen dann eine besondere Bedeutung beimessen, wenn diverse Zeitverhältnisse zusammenfallen würden. Obwohl es keine Gesetzmäßigkeit gebe, so würden solche Zeitcluster doch eine erhöhte Wahrscheinlichkeit einer Trendwende besitzen. Deshalb sollten Anleger 2019 das erste Quartal auf dem Radarschirm haben - und zwar aus dreifacher Hinsicht. Zunächst einmal "deute" die 138,2% Projektion der gesamten EUR-Aufwärtsbewegung von 2000 bis 2008 auf diesen Zeitraum. Gleiches gelte für das 23,6%-Pendant der EUR-Baissephase von 2008 bis 2017. Abgerundet werde das Zeitcluster durch die 76,4%-Projektion der letzten Abschwungbewegung von Mai 2014 bis Anfang 2017.

EUR/USD (Weekly): Der Charme des ersten Quartals und Fahrplan 2019

Anleger sollten sich also das erste Quartal dick im Investmentkalender des neuen Jahres anstreichen. Wenngleich ein Check der konkreten charttechnischen Situation erforderlich sei, würden in diesem Zeitfenster potenzielle Umkehrsignale besonders gute Erfolgsaussichten besitzen. Vor diesem Hintergrund könnten sich die Analysten eine weitere EUR-Schwäche bis zum Ende des ersten Quartals 2019 sehr gut vorstellen. Ein Unterschreiten der Schlüsselzone bei 1,13/1,12 USD diene dabei als Katalysator für ein Schließen des - auf der Währungsseite - seltenen Phänomens einer Kurslücke bei rund 1,08 USD.

Einhergehend mit einer weiteren Ausdehnung der EUR-Netto-Longpositionen der Commercials würden die Analysten von diesem Niveau aus EUR-Erholungschancen sehen. Da es beim Währungspaar EUR/USD für das neue Jahr durchaus widersprüchliche Signale gebe, sollten sich Investoren auf die "Basics" der Technischen Analyse fokussieren. Mit Blick auf das große Bild müsse unverändert von einem intakten Abwärtstrend ausgegangen werden. Die Kernbotschaft der Analysemethode der Analysten, wonach der Trend dein Freund sei, verbiete demnach große Wetten zugunsten der europäischen Einheitswährung.

EUR/USD (Weekly): Prozyklischer EUR-Selltrigger

Mit der Fortschreibung des USD-Trends würden die Analysten die konträre Position zur Mehrheit der fundamentalen Prognosen einnehmen, die im Durchschnitt ein EUR-Comeback voraussagen würden. Aufgrund der massiven Hürden werde das aus charttechnischer Sicht kein leichtes Unterfangen. Ein Überwinden des seit 2008 bestehenden EUR-Baissetrends oder gar ein Spurt über den angeführten Kumulationswiderstand bei rund 1,26 USD würden sie 2019 für unwahrscheinlich halten. Neben dem prozyklischen EUR-Selltrigger bei 1,13/1,12 USD führe diese Arbeitshypothese zu einer weiteren Orientierungshilfe: Sollte es im Jahresverlauf tatsächlich zu einer EUR-Erholung kommen, dann dürfte die Marke von 1,20 USD das Ende der Fahnenstange markieren.

Im Dunstkreis dieses Levels könnten Investoren nach dem Motto "sell the rallies" verfahren und neue EUR-Shortpositionen eingehen. Per Jahresende 2019 lege vor allem der Faktor "Saisonalität" kaum veränderte EUR/USD-Notierungen nahe, sodass es kein Jahrgang für "große FX-Wetten" werden dürfte. Vielmehr gehe es 2019 darum, die drei oder vier Tradinggelegenheiten des Jahres zu erkennen. (11.01.2019/ac/a/m)



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